Der heilige Narr – Jesu Weg im Zeitalter des Kollapses

Erhard OG Hamburg | Der Weg Jesu als Alternative zur Logik von Sorge, Besitz und Gewalt. Der Text liest die Bergpredigt als konkrete, subversive Lebenspraxis und beschreibt die Figur des „heiligen Narren“, der in einer kollabierenden Welt aus Liebe lebt und der Megamaschine so ihre Macht entzieht.
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Erhard beschreibt seinen Artikel so: „Ich habe in einem Grundsatz-Artikel zusammengefasst, was ich glaube, dass christliche Hoffnung und Auftrag im Blick auf die Lage der Menschheit sein könnte. Es ist das (Zwischen-)Ergebnis von mittlerweile 35 Jahren Beten und Nachdenken über das Thema.“

Siegeszug

Die Megamaschine 1 scheint auf einem unaufhaltsamen Siegeszug zu sein. Elektrizität, Digitalität und nun künstliche Intelligenz treiben eine exponentielle Beschleunigung voran. Ihr globales Wirtschaftssystem antizipiert alles – auch jede Gegenbewegung. Alles wird vermarktet und zu einem Produkt. Es gibt immer weniger Freiräume und wir können uns dem System letztlich nicht entziehen, wenn wir irgendwie überleben wollen. Wir brauchen Geld, um unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, dafür Arbeit und mittlerweile auch ein Smartphone. Kleine Schritte der Verweigerung oder alternative Lebensweisen halten den großen Trend nicht auf. Die „shifting baseline“ führt dazu, dass das, was vor einer Generation noch undenkbar war, mittlerweile als unvermeidlich akzeptiert wird.

Erschöpfung

Irgendwann wird die Megamaschine an ihrem Erfolg ersticken, denn sie lebt davon, alle Ressourcen und alles Leben dieses Planeten in Müll zu verwandeln. Sie ist auf Wachstum angewiesen. Auf unserem begrenzten Planeten 2 wird irgendwann der Kipppunkt erreicht. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir nun in diese chaotische Phase der Erschöpfung eintreten. Manche nennen das „Kollaps“. Das ist keine gute Nachricht. Uns erwartet ein Zeitalter, in dem die Maschine und ihre Profiteure ums Überleben kämpfen, immer mehr Menschen aus dem System ausgesondert werden und sich der Wettbewerb um Ressourcen und die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Schöpfung weiter verschärfen. Ich gehe davon aus, dass sich dadurch Handlungsspielräume weiter verengen und Konflikte, wirtschaftliche Zwänge und Not zunehmen werden. Das Erlangen von Macht und die Durchsetzung der eigenen Interessen mittels Zwang und Gewalt wird das Mittel der Wahl sein. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und gehören bisher gemeinsam mit unseren „westlichen Partnern“ zu den Profiteuren des Systems. Der Kampf um Vorherrschaft in der Welt und den Zugriff auf knappe Ressourcen wird daher auch in unserem Namen und Interesse geführt – in deinem und meinem.

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  1. Lewis Mumford: Mythos der Maschine; Fischer Taschenbuch Verlag; August 1978,
    Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine; Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. Wien; 2015,
    Paul Kingsnorth: Against the Machine – On the Unmaking of Humanity; Penguin Random House LLC; 2025  ↩︎
  2. Meadows u. a.: Die Grenzen des Wachstums 1972; Deutsche Verlags-Anstalt; 14. Aufl. 1987 ↩︎
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